Beitrag zur Blogparade – Digitales Managen
Am 24. September findet in Wien das Symposium “digitales managen” statt. Im Vorfeld wird eine Blogparade mit Themenbeiträgen, die sich mit den Auswirkungen des Web 2.0 und der Social Media Kommunikationskultur auf die Zukunft von Unternehmen beschäftigen, veranstaltet. Im folgenden nun mein Beitrag zu der Blogparade.
Durch den Einsatz von Web 2.0 im Unternehmen entstehen für jedes Unternehmen ganz unterschiedliche Anforderungen durch das Aufbrechen bestehender Kommunikationswege und -schranken. Wesentlich mehr Möglichkeiten zum (in)formellen Austausch der Mitarbeiter untereinander und mit Mitarbeitern anderer Unternehmen wird es geben, wodurch eine Zunahme an Informationen und somit verstärkte Anforderungen an die Verarbeitungen der Informationen erfolgen werden. Mehr Informationen können bei einer entsprechenden Verarbeitung zu einer besseren Wettbewerbsfähigkeit und somit mehr Marktanteilen führen. Die Zunahme an Informationen durch die vielfältigeren Kommunikationsstrukturen werden jedoch auch zu einem verstärktem Change Management führen. Dieses wiederum bedeutet zunehmende Anforderungen an die Prozesse, Strukturen und der Kultur im Unternehmen. Fest in einem Unternehmen verwurzelte Strukturen bewirken die Gefahr, dass diese neue Möglichkeiten nicht oder nur unzureichend eingesetzt werden können. Durch die unabhängig davon existierenden privaten Nutzungen der Mitarbeiter drängen diese Möglichkeiten zwangsläufig ins Unternehmen. Wettbewerbsnachteile, in einem sich immer schneller verändernden Marktumfeld können sich nachteilig auf den Unternehmenserfolg auswirken. Deshalb ist es sinnvoll, dass sich Unternehmen bereits heute mit den Auswirkungen von Web 2.0 befassen und auch ihre Unternehmensstruktur darauf ausrichten.
Auch durch den Einsatz von Web 2.0 wird jedes Unternehmen eine eindeutige Organisationsstruktur benötigen, will es erfolgreich sein. Jedoch wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach die zukünftige Organisationsstruktur von der jetzigen unterscheiden. Je nach Größe, Innovationsfreudigkeit, aktuellem Erfolg und Branche, in der sich das Unternehmen bewegt, ist die Notwendigkeit einer Änderung dringender.
Waren die Organisationsstrukturen früher hierarchisch und starr geprägt, sind sie heutzutage bereits oftmals durch Matrixstrukturen und der Einbeziehung von Projektnetzwerken flexibler gestaltet. Durch die verkürzten Marktreifen, vielfältigeren Produkten und verstärktem Wettbewerb, muss die Unternehmensorganisation in Zukunft noch flexiber gestaltet werden. Neuere Ansätze der Netzwerkorganisation gehen in diese Richtung.
Während Unternehmen heutzutage durch einen festen Mitarbeiterstamm geprägt sind, wird die Flexibilisierung zu einer Verkleinerung des festen Mitarbeiterstammes führen. Ein Kern von Mitarbeitern wird für die zentralen Aufgaben des Unternehmens zuständig sein, während der oftmals weitaus größte Teil der Mitarbeiter flexibel je nach Anforderung der Auftragslage beschäftigt wird. Hierdurch gibt es nicht nur die Möglichkeit auf eine schwankende Auftragslage zu reagieren, sondern auch mit einer den Anforderungen gerechten Versorgung von zusätzlichem Knowhow zur Verstärkung der Wettbewerbsfähigkeit beizutragen.
Sind die Veränderungsprozesse für einen umfassenden Web 2.0-Einsatz in Dienstleistungsunternehmen – insbesondere IT-Dienstleistungsunternehmen – relativ einfach durchzuführen, sofern sie nicht schon praktiziert werden, ist dieses im produzierenden Gewerbe naturgemäß schwieriger. Dies liegt insbesondere an der geringeren Bedeutung von Auswirkungen des Web 2.0-Einsatzes auf das Gesamtergebnis. Optimierung ist dort vorallen durch Einsparungen im Personaleinsatz in den betrieblichen Bereichen geprägt. Im Vergleich dazu sind Optimierungen in den Wissenslastigen Arbeitsbereichen nicht von so großer Bedeutung. Aber auch dort wird die zunehmende Vernetzung der Mitarbeiter und der sich ändernde Wissensbedarf zu Anpassungen an der Unternehmensorganisation führen.
Gerade bei einer Netzwerkorganisation besteht jedoch mit zunehmender Zeit die Gefahr der Undurchsichtigkeit und der Vernachlässigung der Klarheit. Dementsprechend wird die Unternehmensführung angewiesen sein frühzeitig und beständig auf die Einhaltung der Organisationsstruktur hinzuwirken. Die formale Organisationsstruktur darf sich nicht zu weit von der (in)formellen Kommunikationsstruktur für betriebliche Belange entfernen. Der Web 2.0-Einsatz im Unternehmen und damit das Enterprise 2.0 bedeutet nicht, dass Organisationsstrukturen ausgedient haben, sondern fordern nach einer verstärkten Beschäftigung mit der zukünftigen Unternehmensorganisation.
Betriebliche Projektwirtschaft die Organisationsform der Zukunft?
Im Harvard Business Manager, Ausgabe 2/2010, ist ein interessanter Artikel von > Prof. Dr. Jutta Rump (Fachhochschule Ludwigshafen) und > Frank Schabel (Hays AG) mit dem Titel > Wie Projektarbeit Unternehmen verändert erschienen. Auf Basis einer empirischen > Studie unter ca. 300 Entscheidungsträgern haben sie die Projektarbeit in Unternehmen untersucht. Dabei kamen sie zum Ergebniss, dass die betriebliche Projektwirtschaft als Organisationsform in vielen Unternehmen bereits Einzug gehalten hat. Unter betriebliche Projektwirtschaft verstehen sie, dass die Projekte u. a. zum Tagesgeschäft gehören und die Mitglieder der Projektteams keine festen Aufgaben mehr haben. Sie werden vielmehr nur noch in Projekten eingesetzt. Die betriebliche Projektwirtschaft wird dabei oftmals parallel zur “traditionellen Welt der Abteilungen” eingesetzt. Interessant ist, dass nach der Studie bereits ein Viertel der Unternehmen mehr als 50 % aller Arbeitsabläufe auf die Projektarbeit umgestellt haben. Die Projekte werden dabei hauptsächlich bei strategischen Aufgaben eingesetzt. So nutzen 83 % der befragten Entscheidungsträger die betriebliche Projektwirtschaft um neue Arbeitsabläufe einzuführen, 74 % verwenden sie bei der Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen. Der Einsatz erfolgt dabei hauptsächlich in prozess- und wissensorientierten Unternehmensbereichen, wie IT, Marketing, F&E und Personalwesen.
Ein typisches Projektteam setzt sich nach der Studie meist (in 83 % der Fälle) aus bis zu 10 Mitarbeitern zusammen, wobei die Mitarbeiter aus allen Hierarchieebenen, Fachbereichen und Altersstufen kommen können. Die Projektdauer liegt in der Regel zwischen einem halben und einem Jahr.
Auch Gründe, warum Projekte scheitern, wurden untersucht. Die Ergebnisse sind nicht neu: Zu enger Zeitplan, ungenügendes Projektmanagement, zu starre Organisationsstrukturen und Prozesse, wie auch die Entscheidungsschwäche der Verantwortlichen werden für das Scheitern verantwortlich gemacht.
Zum Schluss ziehen sie das Fazit, dass Projektteams in der Regel besser arbeiten als herkömmliche Arbeitsgruppen. U. a. deswegen, weil sie lösungsorientierter seien und sich mit den Zielen stärker identifizieren.
Die komplette Studie ist auf den Seiten der Hays AG verfügbar: Betriebliche Projektwirtschaft – Eine Vermessung

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